Lauter Laub, so leise

Der Mann fegt den Humboldthain. Ganz allein. Er schiebt Laub vom Weg, der hinaufführt zu den ehemaligen Flaktürmen. Ein Ein-Euro-Jobber? Normalerweise treten sie zu mehreren auf. Er ist um die 40, trägt fleckige Klamotten, strähnige Haare. Was bewegt ihn? Ich renne an diesem Vormittag den Weg rauf und runter, das Laub ist glitschig und die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es mich irgendwann aus der Spur schmiert. Ich will dem Mann danken.

Er macht Pause. Lehnt an einem Zaun und schaut versonnen auf eine Wiese weiter unten, auf der Kinder spielen. Nach einer Weile bemerkt er mich und erschrickt. Bevor ich etwas sagen kann, beginnt er zu stammeln und zu lallen wie ein Mensch, der nie Sprechen gelernt hat. Anscheinend ein Gehörloser. Ich tue, als würde ich fegen, deute auf ihn und hebe den Daumen. Er strahlt und antwortet ausgiebig und unverständlich. Ich sehe dunkle, schiefe Zähne, doch darüber lachen seine Augen, so klar und durchdringend wie der Himmel an diesem wolkenlosen Herbsttag. Er hebt eine Hand, blickt hinauf in die bernsteinfarbenen Baumkronen, flirrt mit den Fingern und lässt sie langsam sinken. Ich verstehe: Viel Laub und Arbeit kommt auf ihn zu. Er guckt dabei sehr glücklich.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Share on TumblrEmail this to someonePrint this page

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.